Ich habe vor Kurzem versucht zu klären, was ein Mitarbeiter eigentlich ist. Im Internet bekommt man eine erstaunlich präzise Antwort. Und gleichzeitig eine, die nicht stimmt.

Die formale Antwort

Wikipedia, juristische Fachseiten, HR-Lexika — sie sind sich erstaunlich einig:

Ein Mitarbeiter ist eine natürliche Person, die im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses gegen Entgelt Aufgaben für einen Arbeitgeber ausführt.

Sauber. Rechtssicher. Und vollständig daneben.

Denn diese Definition beschreibt nicht, was ein Mitarbeiter tut — sie beschreibt nur, wie ein Mitarbeiter abgerechnet wird.

Die ehrliche Antwort

Wenn ich einen Mitarbeiter einstelle, kaufe ich keinen Arbeitsvertrag. Ich kaufe drei Dinge:

  1. Wissen — über mein Geschäft, meinen Markt, meine Kunden.
  2. Fähigkeit — eine Aufgabe von Anfang bis Ende eigenständig zu lösen.
  3. Verfügbarkeit — dann, wenn die Arbeit anfällt.

Mehr nicht. Erfüllt ein System diese drei Bedingungen, ist es ein Mitarbeiter. Egal ob es atmet.

Muss ein Mitarbeiter ein Mensch sein?

Stellen Sie sich diese Frage ernsthaft. Nicht philosophisch — operativ.

Die rechtliche Definition sagt: nein.
Die operative Realität sagt: doch.

Was daraus folgt

Sobald Sie akzeptieren, dass „Mitarbeiter" eine Funktion ist und keine Spezies, ändert sich Ihre Personalplanung fundamental.

Sie hören auf, in Köpfen zu denken.
Sie fangen an, in Aufgaben zu denken.

Und plötzlich ist die Frage nicht mehr: „Wen kann ich einstellen?"
Sondern: „Welches System löst diese Aufgabe am besten — Mensch oder Agent?"

Beide haben ihre Stärken.
Menschen entscheiden, verhandeln, bauen Vertrauen auf.
Agenten skalieren, wiederholen, vergessen nichts.

Der Fehler ist nicht, die falsche Wahl zu treffen.
Der Fehler ist, gar nicht zu wählen — und beides als selbstverständlich vorauszusetzen.

Schluss

Vielleicht ist es Zeit, dass „Human Resources" sich umbenennt.
Der Begriff beschreibt nur noch die Hälfte dessen, was heute Arbeit leistet.

Aufwand × Automatisierung = Freiheit.

Frage an Sie: Wie viele Aufgaben in Ihrem Unternehmen müssen wirklich von einem Menschen erledigt werden — und wie viele werden nur deshalb von einem Menschen erledigt, weil „wir das immer so gemacht haben"?