Ankommen und durchatmen
Manchmal braucht es Distanz, um klar zu sehen. Drei Tage Schweiz waren genau das: keine Meetings am Fließband, kein Slack-Ticker in der Hosentasche, sondern Berge, stille Seen und Zeit zum Nachdenken.
Ich bin nicht zum Wandern hingefahren — obwohl die Landschaft das durchaus verdient hätte. Der Anlass war beruflich, der Effekt persönlich. Was passiert, wenn man sich aus dem Tagesgeschäft herausnimmt, ist bemerkenswert: Die Gedanken sortieren sich von allein. Was dringend schien, wird klein. Was wichtig ist, wird schärfer.
Die Schweiz hat mir genau diese Klarheit gegeben. Keine Erleuchtung auf dem Gipfel. Einfach Ruhe, gute Luft und einen freieren Kopf als vorher. Das ist mehr wert als jede Strategie-Offsite mit Post-its und Timern.
Drei Tage klingt nach wenig. Aber es reicht, wenn die richtige Umgebung trifft — kein Lärm, keine Push-Benachrichtigungen, nur das Plätschern eines Bergsees und der eigene Gedankenstrom.
45 Minuten über Agenten und Agentic Coding
Der eigentliche Anlass war ein Vortrag. 45 Minuten über das Thema, das mich seit Monaten antreibt: autonome KI-Agenten und die Art, wie sie Softwareentwicklung verändern.
Nicht die Folien-Version von „KI ist die Zukunft". Sondern konkret: Wie sieht es aus, wenn ein Agent nicht nur Code generiert, sondern Entscheidungen trifft? Wenn er Kontext über Aufgaben hinweg behält, Abhängigkeiten erkennt, eigenständig Teilprobleme löst?
Agentic Coding bedeutet, dass der Mensch die Richtung vorgibt und der Agent den Weg findet. Nicht blind, nicht unkontrolliert — aber eigenständig. Wer das einmal gesehen hat, programmiert nicht mehr wie vorher.
Das Publikum war gemischt — Entwickler, Unternehmer, ein paar gesunde Skeptiker. Die besten Fragen kamen aus der Skepsis. „Was passiert, wenn der Agent falsch entscheidet?" Berechtigte Frage. Meine Antwort: Dasselbe wie bei einem neuen Mitarbeiter. Man gibt klare Leitplanken, prüft die Ergebnisse und justiert. Der Unterschied ist die Geschwindigkeit, mit der ein Agent lernt, sich anzupassen.
Was nach dem Vortrag hängen blieb, war nicht eine einzelne Folie. Es war der Moment, in dem ein Teilnehmer sagte: „Ich habe gedacht, das ist noch zwei Jahre weg." Ist es nicht. Es passiert jetzt.
Und wer heute noch zuschaut, wird morgen aufholen müssen — in einem Feld, das keine Aufholpausen einplant.
Ein Gedanke, der nicht loslässt — Software für Finanzdienstleister
Zwischen Vortrag und Rückflug hatte ich ein Gespräch, das mich seitdem nicht losgelassen hat. Mit jemandem aus der Finanzbranche. Sein Problem klang vertraut: zu viele manuelle Prozesse, zu langsame Entscheidungen, zu wenig Zeit für das, was eigentlich zählt — die Beratung seiner Kunden.
Dieses Muster kenne ich. Bei Handwerkern. Bei Recruitern. Bei jedem, der mehr Zeit mit Verwaltung verbringt als mit seiner eigentlichen Arbeit. Aber Finanzdienstleister haben eine zusätzliche Schicht: Regulierung. BaFin, MiFID II, Dokumentationspflichten. Jede Automatisierung muss diese Regeln nicht umgehen, sondern einhalten. Das ist die eigentliche Ingenieursaufgabe.
Genau daran arbeiten wir. Eine Software, die wiederkehrende Prozesse übernimmt, ohne die Compliance-Grenze zu überschreiten. Die qualifiziert — nicht berät. Die dem Berater Zeit zurückgibt, statt ihm Verantwortung abzunehmen.
Was mich an diesem Thema festhält: Es geht nicht um Technik um der Technik willen. Es geht um einen Berater, der abends um sechs den Laptop zuklappt, weil seine Nachfassaufgaben erledigt sind. Automatisch, regelkonform, ohne dass ein Kunde warten musste.
Es ist kein fertiges Produkt. Es ist ein Anfang mit einer klaren These: Finanzdienstleister verdienen bessere Werkzeuge als Excel-Listen und händische Nachfass-Routinen. Und die Technologie dafür existiert — man muss sie nur richtig einsetzen.
Danke, Schweiz
Drei Tage, drei Erkenntnisse: Abstand schafft Klarheit. Agenten verändern, wie wir Software bauen. Und in der Finanzbranche liegt eine Aufgabe, die gelöst werden will.
Die Schweiz war der richtige Ort, um das zusammenzusetzen. Nicht weil dort die Antworten lagen — sondern weil dort endlich Platz für die richtigen Fragen war.
Wenn du bei einem Finanzdienstleister arbeitest und wissen möchtest, wie KI-gestützte Prozesse konkret aussehen könnten — schreib mir. Kein Pitch, kein Foliendeck. Einfach ein Gespräch.