„Vollautomatischer KI-Vertriebsagent: findet Leads, schreibt sie an, folgt nach, während Sie schlafen.“ Solche Versprechen begegnen Geschäftsführern derzeit häufig, in Videos, auf Verkaufsseiten und in Angeboten von Agenturen. Meist taucht dabei der Name eines echten Open-Source-Projekts auf. Das macht die Sache glaubwürdiger, denn das Projekt existiert ja. Die entscheidende Frage lautet aber: Kann das Projekt tatsächlich, was die Verkaufsseite verspricht?

Wir haben das an einem aktuellen Beispiel nachgeprüft: dem KI-Agenten „Hermes Agent“ von Nous Research und einer Verkaufsseite, die unter dem Namen „Hermes“ vollautomatische Lead-Recherche und Ansprache bewirbt. Dieser Artikel zeigt, was in den Quellen steht und was nicht, welche rechtliche Frage beim automatischen Erstkontakt per E-Mail sofort im Raum steht und woran Sie ein solides Angebot erkennen. Er ist keine Bewertung einzelner Personen. Er ist eine Anleitung, wie Sie Behauptungen prüfen, bevor Sie Geld ausgeben.

Ein „Autopilot“ im Vertrieb verschickt in Ihrem Namen. Wer prüft vorher?

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Was Hermes Agent laut Projektseite ist

Die Projektseite auf GitHub (github.com/NousResearch/hermes-agent, abgerufen am 21. Oktober 2026) beschreibt Hermes Agent als „The self-improving AI agent built by Nous Research“, mit dem Leitspruch „The agent that grows with you“. Die Lizenz ist MIT, der Code also frei nutzbar. Die Seite nennt als Funktionen unter anderem eine Terminal-Oberfläche, einen Nachrichten-Zugang über Telegram, Discord, Slack, WhatsApp und Signal, eine „Lernschleife“ mit Speicher und automatisch erstellten Fähigkeiten, einen eingebauten Zeitplaner für wiederkehrende Aufgaben, parallele Teil-Agenten und mehrere Ausführungsumgebungen, darunter lokal, Docker und per SSH. Verschiedene Sprachmodell-Anbieter lassen sich anbinden.

Das ist ein ernstzunehmendes Projekt, und es ist nach dieser Beschreibung ein allgemeiner persönlicher Agent. Was auf der Seite nicht vorkommt, ist ebenso aufschlussreich: Lead-Generierung, Vertrieb, Marketing, ein E-Mail-Versand an Interessenten oder ein bestimmter Anbieter für E-Mail-Adressen werden nicht erwähnt. „Email“ taucht nur in einer Tabelle als eine von mehreren Nachrichtenplattformen auf, also als Kommunikationskanal, nicht als Funktion für Akquise.

Das ist kein Mangel des Projekts. Es sagt nur: Ein allgemeiner Agent kann sich mit Werkzeugen und Fähigkeiten für vieles einrichten lassen. Dass er es kann, heißt nicht, dass jemand es fertig, sicher und rechtlich sauber gebaut hat.

Was die Sicherheitsrichtlinie über die Verantwortung sagt

Aufschlussreich ist die Sicherheitsrichtlinie des Projekts (SECURITY.md). Sie beschreibt Hermes Agent als „Single-Tenant-Persönlichkeitsagent“, also als Agent für eine einzelne Person oder einen einzelnen Betreiber, nicht als Mehrmandanten-Dienst für viele Kunden. Die einzige Sicherheitsgrenze gegenüber einem feindlichen Sprachmodell sei das Betriebssystem. Alles, was im Agentenprozess selbst läuft, also auch die Freigabe-Abfrage, die Schwärzung sensibler Daten und die Prüfung von Fähigkeiten, gelte nicht als Eindämmung.

Zur Befehlsfreigabe heißt es: Ein „Approval-Gate“ erkenne gängige zerstörerische Shell-Muster und frage den Betreiber vor der Ausführung. Es sei jedoch eine Heuristik und keine Sicherheitsgrenze. Es fange Fehler im kooperativen Betrieb ab, aber keine bewusst manipulierten Ausgaben. Umgehungen dieser Heuristik gälten nicht als Sicherheitslücke.

Dazu kommt eine Liste, was der Betreiber selbst zu tun hat: die Isolation passend zur Vertrauenswürdigkeit der Eingaben wählen, den Agenten nicht als Administrator laufen lassen, Zugangsdaten sauber ablegen, für jeden mit dem Netz verbundenen Zugang eine Positivliste pflegen, den Agenten nicht ungeschützt ins offene Internet stellen und Fähigkeiten und Erweiterungen von Dritten vor der Installation prüfen. Bewusst abgeschaltete Freigaben seien Entscheidung des Betreibers.

Das Projekt ist ehrlich über seine Grenzen: Die Verantwortung für sichere Einrichtung liegt beim Betreiber. Wer einen „fertigen Autopiloten“ auf dieser Basis verkauft, übernimmt diese Verantwortung für Sie nicht automatisch.

Für ein Unternehmen, das Interessenten per E-Mail anschreibt, ist das der Kern: Zwischen „das Tool existiert“ und „der Ablauf ist verlässlich“ liegt Arbeit, die jemand tun muss, und Verantwortung, die jemand tragen muss.

Was die Verkaufsseite verspricht

Wir haben auch die Verkaufsseite gelesen (aisuccesslabjuliangoldie.com/blog/best-hermes-agents, abgerufen am 21. Oktober 2026). Dort wird „Hermes“ als „Julian Goldie’s agent OS“ bezeichnet, mit dem man „focused AI agents that do one job brilliantly“ bauen könne. Angeboten wird es zusammen mit einem Training in einer kostenpflichtigen Community. Ob das dort „Hermes“ genannte System identisch mit dem Open-Source-Projekt von Nous Research ist, geht aus den von uns gelesenen Seiten nicht hervor. Wir behaupten es deshalb nicht.

Auf der Seite werden zwei Agenten-Typen beschrieben. Ein „Lead-Research-Agent“ soll Interessenten suchen und qualifizieren, „while you sleep“, mit einer Scraping- und Browser-Fähigkeit sowie einer Anreicherung mit E-Mail-Finder. Als Beispiel dient die Suche nach Zahnärzten in Manchester ohne moderne Website. Verkauft werde das für 500 bis 2.000 Pfund pro Projekt. Ein „Outreach-Agent“ schreibe personalisierte Nachrichten, sende sie per E-Mail oder LinkedIn und folge zweimal nach. Empfohlen werden 20 Nachrichten pro Tag, Preisangabe 1.000 bis 3.000 Pfund pro Monat. Im Ausstiegs-Popup steht für das Gesamtpaket „$69/mo“, zudem werden eine 7-Tage-Rückerstattung und eine 30-Tage-ROI-Garantie genannt.

Das ist eine Beschreibung von Geschäftsmodellen für Agenturen, die solche Agenten an ihre Kunden weiterverkaufen sollen. Sie ist nicht die Beschreibung eines geprüften Produkts für Ihren Mittelstandsbetrieb in Deutschland. Beachten Sie dabei, dass die Beispiele aus Großbritannien stammen und die Seite nichts zu deutschem Wettbewerbsrecht sagt.

Wenn Zahlen auf einer Seite sich widersprechen

Ein zweiter Prüfstein sind die Zahlen, mit denen Vertrauen aufgebaut wird. Auf derselben Verkaufsseite stehen für dieselbe Kennzahl unterschiedliche Angaben: Die Mitgliederzahl der Community erscheint an mehreren Stellen als „3,400+“, in der Autorenbox aber als „3,600+“. Die YouTube-Reichweite wird einmal mit „400,000+ subscribers“ und an anderer Stelle mit „70,000+ people follow my AI work on YouTube“ angegeben. Außerdem nennt der Fußbereich „4.9 out of 5 from 114 member reviews“, während auf der Seite zwölf Bewertungen sichtbar sind.

Wir ziehen daraus keinen Schluss über Absichten. Wir ziehen einen Schluss über die Belastbarkeit: Alle diese Zahlen sind Eigenangaben auf einer Verkaufsseite, unabhängig geprüft werden sie nicht, und mehrere widersprechen sich auf derselben Seite. Als Entscheidungsgrundlage für ein Budget taugen sie nicht. Das gilt für jeden Anbieter, nicht nur für diesen: Zahlen, die der Verkäufer über sich selbst nennt, sind eine Behauptung und kein Beleg.

Die rechtliche Frage, die jeder Autopilot im Erstkontakt beantworten muss

Selbst wenn die Technik tadellos funktioniert, bleibt für den deutschen Markt eine Frage, die in Verkaufsvideos selten vorkommt: Dürfen Sie diese Mail überhaupt senden? § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erklärt unzumutbare Belästigungen für unzulässig. Absatz 2 Nummer 2 nennt als Beispiel Werbung „unter Verwendung einer automatischen Anrufmaschine, eines Faxgerätes oder elektronischer Post“ ohne „vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten“. E-Mail ist elektronische Post. Der Wortlaut, den wir auf dejure.org gelesen haben, unterscheidet an dieser Stelle nicht zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Ausnahmen, etwa für Bestandskunden, regelt § 7 Abs. 3. Sie haben wir nicht geprüft, und eine Rechtsberatung ersetzt dieser Artikel nicht.

Für Ihre Praxis heißt das: Ein Ablauf, der „Leads findet und automatisch anschreibt“, muss vor dem ersten Versand beantworten können, auf welcher Grundlage der Empfänger angeschrieben werden darf. „Die Adresse war öffentlich auffindbar“ ist keine Einwilligung. Zu einem verwandten Punkt haben wir einen eigenen Beitrag: Eine LinkedIn-Vernetzung ist nach Berichten zu einem Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf keine Einwilligung in Werbung. Auch das gilt, wenn ein Agent die Nachricht schreibt.

Zusätzlich kommt die Datenschutzfrage. Ein Agent, der Kontaktdaten sammelt und anreichert, verarbeitet personenbezogene Daten. Woher stammen sie, wo liegen sie, wer hat Zugriff und wie schnell ist ein Widerspruch durchgesetzt? Das sind Fragen an den Ablauf, nicht an das Sprachmodell.

Wie Sie ein solides Angebot erkennen: sieben Prüffragen

Aus dem Beispiel lässt sich eine Checkliste ableiten, die für jedes „Autopilot“-Angebot im Vertrieb funktioniert:

  1. Wer steht dahinter? Gibt es ein Unternehmen mit Impressum, Ansprechpartner und Vertrag, oder nur einen Kanal und eine Community?
  2. Gibt es Dokumentation? Steht schriftlich, was das System tut, welche Datenquellen es nutzt und was es nicht tut?
  3. Passt die Behauptung zur Quelle? Wenn ein Open-Source-Projekt genannt wird: Beschreibt dessen eigene Seite die versprochene Funktion? Hier tut sie es nicht.
  4. Welche Rechtsgrundlage nutzt der Erstkontakt? Wie wird Einwilligung, Widerspruch und Sperrliste umgesetzt?
  5. Wer sieht die Nachricht vor dem Versand? Gibt es einen Freigabe-Schritt für jede Erstkontakt-Mail, mindestens am Anfang?
  6. Wie lässt sich der Ablauf stoppen? Kann jemand mit einem Klick pausieren, und gilt das sofort?
  7. Welche Belege gibt es unabhängig vom Anbieter? Referenzen, die Sie selbst anrufen können, statt Zahlen auf der eigenen Seite.

Je mehr dieser Fragen offen bleiben, desto mehr trägt das Angebot sein Risiko auf Ihrer Seite. Bei einem Versand im Namen Ihres Unternehmens ist das kein Detail, denn der Absender sind Sie.

Wie sähe ein Outreach-Ablauf aus, bei dem Sie jede Erstkontakt-Mail vorher sehen?

So gehen wir im Audit vor: Wir beschreiben gemeinsam Ihre Zielgruppe, die Rechtsgrundlage für den Erstkontakt und die Stellen, an denen ein Mensch freigibt. Danach steht auf Papier, was ein Agent vorbereitet und was bei Ihnen bleibt. Im kostenlosen Strategiegespräch (30 Minuten) zeigen wir Ihnen das Vorgehen.

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Verfügbarkeit: Was jetzt nutzbar ist und was nicht

Eine klare Trennung hilft:

Entsprechend sollten Sie das Versprechen behandeln: nicht als etwas, das Sie heute buchen und laufen lassen, sondern als eine Art Angebot, das auf Unternehmen zukommt und das Sie mit den obigen Fragen prüfen. Wer jetzt etwas vorbereiten möchte, kann Zielgruppe, Rechtsgrundlage und Freigabe festlegen. Diese Arbeit bleibt nützlich, egal welches Werkzeug am Ende dahintersteht.

Welcher Agent bei Amazing Agents dafür zuständig ist: Kai und Michael

Auf amazing-agents.com gehört das Thema in das Outreach-Team. Kai ist dort als Outreach-Lead beschrieben: Er definiert Strategie, Branchen, Sequenzen, Ton und Kanäle. Michael ist der Lead-Sourcing-Spezialist, der Unternehmen und Entscheider in öffentlichen Quellen recherchiert und jeden Kontakt mit einem konkreten Aufhänger weitergibt, statt nur eine Adresse. Die Webseite beschreibt, dass der Ablauf jederzeit pausierbar ist, dass Opt-outs sofort und dauerhaft respektiert werden, dass Kai sich an LinkedIn-Limits hält und dass EU-gehostete Datenquellen genutzt werden. Kai selbst sagt dort klar, was er nicht ist: kein Ersatz für Beziehungspflege und kein Trick gegen schlechte Angebote.

Über die einzelnen Agenten hinaus gilt der allgemeine Rahmen der Webseite: Jeder Agent läuft in einem definierten Rahmen mit Freigabe-Schritten bei kritischen Aktionen, und Mails werden zum Beispiel als Entwurf erstellt, nicht direkt versendet. Der Ablauf von Kai ist auf der Seite als Pipeline bis zum Versand beschrieben. Für den Erstkontakt empfehlen wir als Grundregel, dass ein Mensch jede Mail vorher sieht. Das ist unsere Empfehlung für die Praxis, keine Aussage über eine Produkteinstellung.

Mit und ohne Freigabe-Schritt: der Unterschied im Erstkontakt

Ohne Freigabe-Schritt verschickt ein Autopilot Mails an Adressen, die er irgendwo gefunden hat, ohne dass ein Mensch Text, Empfänger oder Rechtsgrundlage vorher gesehen hat. Fehler, etwa ein falscher Firmenname, ein unpassender Aufhänger oder ein Empfänger, der längst widersprochen hat, werden vielfach wiederholt, bevor jemand sie bemerkt. Der Schaden trifft den Absender, also Sie.

Mit Freigabe-Schritt sieht ein Mensch jede Erstkontakt-Mail vor dem Versand. Der Agent liefert die Vorarbeit: Zielgruppe, Recherche, Aufhänger, Entwurf. Der Mensch prüft, ob Ansprache, Empfänger und Rechtsgrundlage stimmen, und gibt frei oder korrigiert. Es dauert länger als ein Autopilot, aber Sie wissen, was in Ihrem Namen rausgeht. Mit wachsender Erfahrung lässt sich festlegen, welche Teile Sie später lockern, und das entscheiden dann Sie.

Das sollten Sie jetzt vorbereiten

Weil ein „vollautomatischer Vertriebsagent“ nach den Quellen kein bestätigtes Produkt ist, steht Vorbereitung vor Nutzung. Drei Schritte reichen für den Anfang:

  1. Zielgruppe in fünf Sätzen beschreiben. Welche Unternehmen und Rollen wollen Sie erreichen, und warum sollten sie sich dafür interessieren? Wer das nicht in fünf Sätzen kann, kann es auch keinem Agenten beibringen.
  2. Rechtsgrundlage klären. Legen Sie mit Ihrer Rechtsberatung fest, auf welcher Grundlage Erstkontakte per E-Mail und LinkedIn zulässig sind, und wie Widerspruch und Sperrliste funktionieren.
  3. Freigabe festlegen. Entscheiden Sie, wer jede Erstkontakt-Nachricht vor dem Versand sieht, und wer den Ablauf pausieren darf.

Wie wir geprüft haben, was in diesem Artikel steht

Die Angaben zu Hermes Agent stammen von der GitHub-Projektseite und deren Sicherheitsrichtlinie, die zur Verkaufsseite von der Seite selbst, die zu § 7 UWG von dejure.org. Alle wurden am 21. Oktober 2026 abgerufen. Was dort nicht steht, haben wir gestrichen. Dazu gehören Behauptungen, die uns vorab begegnet sind: dass ein bestimmter E-Mail-Finder-Dienst Teil der Konstruktion sei, und Angaben zur Zahl von Videos, die das Thema bewerben. Die erste fanden wir auf keiner der gelesenen Seiten, die zweite haben wir nicht geprüft. Eine Verallgemeinerung auf andere Anbieter ist nicht beabsichtigt. Der Artikel beurteilt keine Personen, sondern nur, was auf den genannten Seiten steht und was nicht.

Der Unterschied, auf den es ankommt

Echte Werkzeuge gibt es, und gute Agenten im Vertrieb können viel Vorarbeit leisten: recherchieren, sortieren, Entwürfe schreiben. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern im Rahmen. Ein Autopilot macht weiter, auch wenn etwas schiefgeht. Ein Agent mit Grenzen und Freigabe-Schritt bereitet vor, zeigt Ihnen das Ergebnis und wartet auf Ihr Okay, bevor etwas in Ihrem Namen nach außen geht.

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